Wer erkennt es – März 2026
Noch ist es Winter, die Farben draußen sind grau in grau und der Frühling ist noch nicht in Sicht. Und doch habe ich heute den Schneeschieber weggeräumt und bin in froher Erwartung der Frühlingszeit. Nicht ohne Grund, denn die Passionszeit hat begonnen und wir bewegen uns auf Ostern zu.
Im Radio höre ich immer wieder ein Lied, welches mir sehr nahe geht. Und bei dem ich mir sagen kann, wie gut es mir doch eigentlich geht. Und dennoch ist es ein trauriges eher hoffnungsloses Lied.
Hier der Text:
„Ich sehe eine rote Tür, und ich will sie schwarz gestrichen.
Nie mehr Farben - Ich will, dass sie sich in Schwarz verwandeln.
Ich sehe die Mädchen in ihren Sommerkleidern vorbeigehen.
Ich muss meinen Kopf wenden, bis meine Dunkelheit vergeht.
Ich sehe eine Reihe Autos, und sie sind alle schwarz.
Mit Blumen, und meine Liebe, beide werden niemals wiederkommen
Ich sehe die Menschen ihre Köpfe drehen, und schnell wegschauen
Wie ein neugeborenes Baby; das passiert halt jeden Tag.
Ich schaue in mich hinein, und sehe - mein Herz ist schwarz.
Ich sehe meine rote Tür - und ich muss sie schwarz gestrichen haben.
Vielleicht versterbe ich dann,
Und muss den Tatsachen nicht ins Auge schauen.
Es ist nicht leicht sich dem zu stellen,
Wenn deine ganze Welt schwarz ist
Nie mehr wird sich meine grüne See in ein dunkles Blau verwandeln.
Ich konnte nicht voraussehen, dass das mit dir passieren würde.
Wenn ich angestrengt genug in die untergehende Sonne starre,
Dann wird meine Liebe mit mir lachen, bevor der Morgen kommt.
Ich sehe eine rote Tür, und ich will sie schwarz gestrichen.
Nie mehr Farben - Ich will, dass sie sich in Schwarz verwandeln.
Ich sehe die Mädchen in ihren Sommerkleidern vorbeigehen.
Ich muss meinen Kopf wenden, bis meine Dunkelheit vergeht.
Hmm, hmm, hmm,...
Ich möchte es gestrichen sehen - schwarz gestrichen,
Schwarz wie die Nacht; schwarz wie Kohle.
Ich möchte die Sonne vom Himmel wegradiert sehen
Ich möchte ihn gestrichen, gestrichen, schwarz gestrichen sehen.
JA!“
Ein trauriges Lied. Gerade nach den Wintermonaten, in denen dieses Jahr ja wirklich Eis und Schnee vorherrschten, besteht zumindest bei mir der Wunsch nach den neuen und frischen Farben des Frühlings. Ich freue mich auf den ersten Kaffee auf der Terrasse, Sonnenstrahlen im Gesicht und die ersten lauen Windchen. Vermutlich muss ich darauf noch ein wenig warten, tue dies aber ungeduldig.
Umso intensiver greift dieses Lied ein, alles, wirklich alles soll schwarz gestrichen werden, sogar die Sonne. „Ich möchte die Sonne vom Himmel wegradiert sehen
Ich möchte ihn gestrichen, gestrichen, schwarz gestrichen sehen.“, so steht es im Text.
Aber warum fühlt der Protagonist so?
Ich vermute, dass es um den Todesfall der Partnerin geht. Im Text kann man lesen: „Ich konnte nicht voraussehen, dass das mit dir passieren würde.“ Auch ist von schwarzen Autos und Blumen die Rede, beides Symbole für Trauerfeiern. In der Trauerbewältigung geht es vielen ja auch so: glückliche Menschen, bunte Farben, Lebensfreude kann und will nicht gesehen werden. Man wendet die Augen ab, will sie nicht wahrnehmen, will sie am liebsten schwarz malen. Im Text heißt es: „Ich sehe eine rote Tür, und ich will sie schwarz gestrichen. Nie mehr Farben - Ich will, dass sie sich in Schwarz verwandeln.
Ich sehe die Mädchen in ihren Sommerkleidern vorbeigehen.
Ich muss meinen Kopf wenden, bis meine Dunkelheit vergeht.“
Der letzte Satz gibt aber Hoffnung. „Bis meine Dunkelheit vergeht“ heißt ja, dass man den Glauben hat, dass die Dunkelheit auch wieder vergeht. Man glaubt an bessere Zeiten, daran, dass man wieder Freude am Leben haben wird.
Bis es soweit kommt, gilt aber die Farbe schwarz als die einzig richtige für das Gefühl. Zumindest in westlichen Kulturen ist Schwarz traditionell die primäre Farbe der Trauer, symbolisierend für Tod, Verlust und Ernsthaftigkeit bei Beerdigungen. Alternativen umfassen dunkle Töne wie Dunkelblau, Grau oder Violett. In vielen asiatischen Ländern wie z.B. China, Indien ist Weiß die Farbe der Trauer, die Reinheit und den Übergang symbolisiert.
Tatsächlich finde ich es nicht relevant, was jemand zu einer Beerdigung trägt. Mir geht es mehr um das Gefühl, das man hat, um den Respekt vor dem Toten und den Hinterbliebenen, um die eigene Ausdrucksweise. Ob es jetzt schwarze Kleidung oder grüne ist, ist für mich irrelevant. Aber ja ggf. nicht für die anderen Personen auf der Beerdigung oder in der Trauerphase? Wichtig ist doch, dass sich alle mit der Wahl der Kleidung wohl fühlen, die gesellschaftlichen Regeln können einem da Sicherheit geben.
Aber mal weg von den Äußerlichkeiten: gerade, wenn einem die verstorbene Person nahestand, ist das Gefühl des Verlustes für einen relevant und greift in jegliche Emotionen und Gedanken ein. Dann sieht man alles grau und grau und kann bunt und Lebenslust kaum ertragen. So oder so ähnlich stelle ich mir die Erkrankung Depression vor.
Und? Wer hat es erkannt? Es ist das Lied „Paint it black“ von den Rolling Stones. Es erschien am 07. Mai 1966 auf dem Album Aftermath. „"Paint It, Black" wurde im Sommer 1966 zum Welthit und traf in einer Zeit zwischen Flower-Power-Bewegung und Vietnamkrieg einen ganz bestimmten Nerv. Und irgendwie waren die Rolling Stones damit schon Metal, bevor es Metal überhaupt gab - keine Farben mehr, sondern alles nur noch in schwarz. So wünscht sich das Fontmann Mick Jagger in diesem Song: Türen, Autos, Sommerkleider: „I want them to turn black“. Welch ernster Hintergrund der Song doch eigentlich hat, wissen die wenigsten.“ https://www.radiobob.de/the-rolling-stones-mit-paint-it-black
Aber was schreibt das Netz über dieses Lied?
„Paint it black ist ein Song über einen Mann, der um den Tod seiner verstorbenen Frau/Freundin/ (weiblichen) Partnerin trauert. Er blendet alles in seinem Leben aus, während er immer tiefer in eine Grube aus Elend und Verzweiflung fällt. Das zeigt sich in der Zeile "No colours anymore I want them to be black". Der Mann blendet alle Farben und alles Glück in seinem Leben aus, da er alles sinnlos findet.
Die allererste Zeile des Songs lautet: "I see a red door and I want it painted black". Die Tür ist eine Metapher für sein Herz, und er will alle früheren Emotionen und Gefühle, die er einst hatte, "übermalen". Ein weiterer Text, der heraussticht, ist "Maybe then I'll fade away and not have to face the facts". Isoliert sich der Mann von allen und allem, wo er in seiner eigenen Fantasie leben kann, in der seine Partnerin nicht gestorben ist?
Dann gibt es natürlich die ganz offensichtlichen Hinweise darauf, dass es in dem Song um den Tod geht, mit Erwähnungen einer Reihe schwarzer Autos, Blumen und dem Text "I could not forsee this ting happening to you".“
https://www.reddit.com/r/FanTheories/comments/1vu8wh/rolling_stones_paint_it_black_is_about_a_man/?tl=de
„„Paint It Black“ handelt von einem Mann, dessen Geliebte gestorben ist und der vor Kummer völlig verzweifelt ist. Er sieht seine ganze Welt „schwarz gemalt“. Er wünscht sich sogar, die Sonne „auslöschen“ zu können. Er ist depressiv, fühlt sich niedergeschlagen, wertlos und orientierungslos. Manche sagen, Mick Jagger und Keith Richards hätten sich damals in einer Phase introspektiven Songwritings befunden, die teilweise von Bob Dylans Werk beeinflusst war. „Paint It Black“ erschien einige Monate nach der letzten Single der Stones, „19th Nervous Breakdown“.
„Paint It Black“ weist auch östliche musikalische Einflüsse auf, da im Song eine Sitar zum Einsatz kommt. Der Einsatz der Sitar geht auf Brian Jones zurück, den damaligen Leadgitarristen der Band, der George Harrison von den Beatles besucht hatte, der das indische Instrument ebenfalls spielte. Der Einsatz der Sitar in dem Song, so der Musikkritiker Richie Unterberger, „ist vielleicht der wirkungsvollste Einsatz des indischen Instruments in einem Rocksong. Der exotische Klang passte perfekt zur düsteren, geheimnisvollen ostindischen Melodie.““
https://pophistorydig.com/topics/tag/paint-it-black-pop-history/
Ich wünsche uns allen, dass wir schnell über unsere dunklen Tage hinwegkommen und so schnell wieder in der Lage sind, bunte Farben als Farben und als Lebensstil wahrzunehmen und zu leben. Und ich wünsche uns allen immer ein Gegenüber, dass in der Lage ist, mit uns diese Gefühlslage zu leben und uns hilft, zur rechten Zeit wieder unsere Gefühlslage umzusteuern.
geschrieben von Kirsten Gutleben

