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Neuigkeiten unserer Gemeinde

Wer erkennt Dez20Wer erkennt es – Dezember 2020

Ich habe es mir dieses Mal nicht einfach gemacht. Es sollte ein Lied sein, welches nicht voll von Schmalz und Kitsch ist, aber dennoch ein richtig schönes Weihnachtslied. Vielleicht kennen Sie es ja auch nicht, mir hat es wirklich gefallen. Auch wenn es schon ein paar Tage alt ist.

Hier noch einmal der Text:

Niemand hier, niemand dort, den ich sehe

Trostlosigkeit überall

Nur noch die Tränen zum Weinen

 

Es wird jeden Tag kälter

In dieser von Gott vergessenen Welt bete ich

Wie ich zum Himmel aufschaue

 

Kann ich etwas tun?

Diesem Horizont Hoffnung zurückgeben

Schließe meine Augen, als würde es den Regen stoppen

Auf mich.

Ich kann meine Ängste nicht loswerden

Mit diesen Worten höre ich dich sagen

 

Wünsche euch allen frohe Weihnachten

Wünsche euch allen ein tolles neues Jahr

Ich hoffe, Sie speichern einen Gedanken für etwas

Das ist wahr

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten!

 

Sie haben alles, was Sie wirklich brauchen

In deiner Welt von Rot und Weiß

 

Hoch rechts zur Sonne fliegen

Aber das Funkeln in deinen Augen ist weg

Es ist so leicht zu vergessen

 

Kann ich etwas tun? (Ist

Kann ich da etwas tun?)

Ich will nicht in der Stille weinen (ich

Willst du nicht in der Stille weinen?

Es gibt keinen solchen Blinden

Wenn Sie einfach nicht sehen wollen

Aber ich kann meinen Schmerz heute nicht lindern

Mit den Worten, die ich dich sagen höre

 

Wünsche euch allen frohe Weihnachten

Wünsche euch allen ein tolles neues Jahr

Ich hoffe, Sie speichern einen Gedanken für etwas

Das ist wahr

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten!

Die ersten Strophen zeigen eine Einsamkeit, die so tief geht, dass es einen fröstelt. Der Mensch, der beschrieben wird, sieht keinen Menschen um sich, kann niemanden erkennen, da seine Augen von Tränen verschleiert sind. Es regnet und neben der Gefühlskälte ist ihm auch so noch kalt. Und in dieser Stimmung hört er einen Hoffnungsbringer: Einen anderen Menschen, der Frohe Weihnachten wünscht.

Nun gibt es die Aussagen „Frohe Weihnachten“, die nur so daher gesagt sind. Die keinerlei Bedeutung haben. Die ausgesprochen werden, weil man das so tut.

Das ist hier aber offensichtlich nicht der Fall, denn der Sänger fühlt sich angesprochen, er spürt die Wärme und die Hoffnung, die von diesen gesprochenen Worten ausgehen.

Und so sollte es auch sein. Denn gibt es einen größeren Hoffnungsfunken als dieses Fest? Jesus Christus ist zu uns auf die Erde gekommen. Er wurde einer von uns, mit den Problemen, Hoffnungen, Sorgen, die uns Menschen so ausmachen. Die Heilige Weihnacht ist der Beginn von etwas Großartigem, dessen Ende – die Übernahme unserer Schuld – uns zum Fest seiner Geburt ja schon bekannt und bewusst ist. Aber was erzähle ich Ihnen das, das wissen Sie ja schon.

Dennoch geht es uns doch manchmal wie dem Sänger. Wir gehen durch die Straßen, emotional geblendet. Es erreicht uns kein positiver Gedanke, uns ist innerlich und äußerlich eiskalt. Gerade zur Weihnachtszeit passiert uns dies häufiger. Es ist dunkel, es ist nass und wir sind in Hetze, weil wir noch dies, noch das besorgen müssen. Müssen wir?

Da ist sie wieder: die Erwartungshaltung, die uns schon von Klein-auf eingeprägt wird. Zu Weihnachten muss es etwas besonderes zu essen geben. Die Wohnung muss weihnachtlich geschmückt sein. Wir müssen uns in Familie treffen (auch wenn ich die eine oder andere Person einfach nicht leiden kann). Wir müssen passende und preislich angemessene Geschenke für jeden anderen finden. Und was wir nicht noch alles müssen.

Dabei geht das an dem Sinn von Weihnachten komplett vorbei. Und in unserem Inneren wissen wir das auch. Da freut sich die Seele, wenn der Mensch sich die Zeit nimmt, in Ruhe bei Kerzenschein eine Tasse Tee zu trinken. Vielleicht mit einem Buch, vielleicht aber auch einfach mal nur so. Zeit, den eigenen Gedanken nach zu schweifen und mal in sich zu hören. Und vielleicht auch einmal eine Seite an sich zu finden, die man tatsächlich vergessen hatte. Oder noch nie gesehen hat.

In der Bibel gibt es eine Geschichte, in der Jesus seine zwölf Jünger allein losschickt, um die frohe Botschaft zu verkünden und Kranke zu heilen. Als sie zurückkommen und ihm alles erzählen wollen, sprach er zu ihnen: „Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen.» (Markus, 6,31)

Nach getaner Arbeit ist es gut, sich einmal die Zeit zu nehmen, zurück zu blicken und wieder zu sich zu kommen. Denn nur so kann man die Kraft bekommen für die nächste Herausforderung, die mit Sicherheit kommen wird.

Bitte nicht falsch verstehen: Es ist toll, seine Familie zu treffen, tolle Geschenke auszutauschen und gemeinsam etwas Leckeres zu essen. Das Problem ist, der Zwang, den wir uns selbst auferlegen, alles perfekt zu machen. Und dabei den Menschensohn aus den Augen verlieren.

Ein guter Vorsatz: nehmen wir uns die Zeit, die wir brauchen.  Und wenn das Essen dann nicht perfekt ist: na und? Dafür nehmen wir die Situationen mit mehr Gelassenheit und Empathie. Und dann können wir auch ganz bewusst und mit frohem Herzen „Frohe Weihnachten“ wünschen. Vielleicht rührt es dann ja auch unser Gegenüber an.

„Sie haben alles, was Sie wirklich brauchen

In deiner Welt von Rot und Weiß

Hoch rechts zur Sonne fliegen

Aber das Funkeln in deinen Augen ist weg

Es ist so leicht zu vergessen“

Das Funkeln im Auge, das Lebendigkeit zeigt, ist schwer wieder hervorzuholen, wenn es einmal weg ist. Da hilft einem ein voller Kühlschrank und das neueste Handy nicht weiter. Die Freude darüber ist nur kurz, wenn überhaupt vorhanden. Wir leben in einer Zeit des Überflusses, und merken das meist nicht einmal. Später kommt noch: „Niemand ist so blind wie jemand, der blind sein will“.

Da braucht man Augenöffner. Und dieser Augenöffner kann jeder von uns sein. Für alle unsere Gegenüber. In diesem Jahr haben wir glaube ich alle gelernt, worauf es wirklich ankommt. Was uns am meisten gefehlt hat, ist die Nähe und Zuneigungsbeweise von unseren Freunden, Bekannten, Verwandten. So schrecklich dieses Virus auch ist, so kann es auch unser Augenöffner sein. Wenn wir es zulassen und nicht weiter blind sein wollen.

Und - wer hat es erkannt? Es ist von Gotthard und heißt Merry X-mas. Das Lied erschien am 05.12.1999. Gotthard sind die bisher national erfolgreichste Schweizer Rockband. Sie haben weltweit über 2.000.000 verkaufte Alben. Vielleicht macht dieses Lied Ihnen ja auch Lust, nach Alternativen für die bekannten Weihnachtslieder zu schauen. Ich habe auf jeden Fall hier eines gefunden, welches mir viel Freude bereitet.

Das Bild vom letzten Mal stammt aus Mesmerode. Es wurde Auf der Worth  aufgenommen, ein Zeichen der Zeit.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Vorweihnachtszeit, mit so vielen Ruhepunkten, wie es nur möglich aber auch nötig ist. Ich wünsche uns Augenöffner für all die guten Dinge in unserem Leben. Von ganzem Herzen wünsche ich aber, dass diese Weihnachten ganz besonders werden, vielleicht gibt uns diese besondere Zeit hierfür die Möglichkeit dazu.

Frohe Weihnachten und einen entspannten Rutsch in das Neue Jahr.

Kirsten Gutleben

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