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Neuigkeiten unserer Gemeinde

Wer erkennt es – November 2020

Jetzt ist sie wieder da, die dunkle Jahreszeit. Man hat fast das Gefühl, es wird gar nicht richtig hell. Kein Wunder, wenn einem die Gedanken da schwermütig werden. Aber nach dieser traurigen Zeit kommt die Adventszeit, eine Zeit, auf die man sich auch oder gerade wegen Corona freuen kann. Es wird sicher ungewohnt sein, aber deswegen ja nicht unbedingt schlechter. In diesem Monat kommt auch mit dem folgenden Lied ein Hoffnungsfunke daher. Hier der Text:


Ich fühle mich wie ein Tropfen im Ozean
Aber niemand merkt es
Vielleicht ist alles nur in deinem Kopf
Fühlst dich, als wärst du in deiner eigenen Haut gefangen
Und jetzt ist dein Körper gefroren
Schlussendlich hast du nichts mehr übrig

Wenn du emotional bist
Und du verlierst deinen Fokus
Und du fühlst dich zu erschöpft, um zu atmen
Verliere dich nicht im Moment
Oder gib auf, wenn du am nächsten bist
Alles was du brauchst ist jemand der sagt

Es ist okay, nicht okay zu sein
Es ist okay, nicht okay zu sein
Wenn du unten bist und dich schämst
Es ist okay, nicht okay zu sein

Fühlen Sie sich wie in der Illusion verloren
Und in letzter Zeit bist du zurückgezogen
Denkst, du wirst nie deine Chance bekommen
Hast das Gefühl, du hast keine Lösung
Es ist nur, weil du ein Mensch bist
Keine Kontrolle, es liegt nicht in deiner Hand

Wenn du emotional bist
Und du verlierst deinen Fokus
Und du fühlst dich zu erschöpft, um zu atmen
Verliere dich nicht im Moment
Oder gib auf, wenn du am nächsten bist
Alles was du brauchst ist jemand der sagt

Es ist okay, nicht okay zu sein
Es ist okay, nicht okay zu sein
Wenn du unten bist und dich schämst
Es ist okay, nicht okay zu sein

Wenn du emotional bist
Und du verlierst deinen Fokus
Und du fühlst dich zu erschöpft, um zu atmen (ah-ha)
Verliere dich nicht im Moment
Oder gib auf, wenn du am nächsten bist
Alles was Sie brauchen ist jemand zu sagen

Es ist okay, nicht okay zu sein (oh, oh)
Es ist okay, nicht okay zu sein (nein, nein)
Wenn du unten bist und dich schämst (wenn du dich schämst)
Es ist okay, nicht okay zu sein (nein)
Es ist okay, nicht okay zu sein

Haben wir das nicht alle einmal: einen Hänger, voller Selbstzweifel, kein Willen, etwas zu Ende zu bringen. Bringt ja ohnehin nichts. Wen interessiert das schon, was ich hier mache. Würde es überhaupt jemand merken, wenn ich dies nicht tun würde? Und in den meisten Fällen ist es so: es würde jemand merken. Und: es würde etwas fehlen, wenn die Energie da nicht hinein fließen würde. Manchmal nicht sofort, aber irgendwann schon.

Das Lied fängt an mit den Worten: „ich fühle mich wie ein Tropfen im Ozean“. Allein dieses Bild verdeutlicht schon, wie die Gefühlswelt so ist. Als Tropfen im Ozean hat man keinen eigenen Willen. Man muss mit dem Strom schwimmen und kann eine eigene Meinung, eine eigene Richtung nicht einschlagen. Jeder Versuch, gegen den großen Strom anzukommen, ist zum Scheitern verurteilt, die eigenen Kräfte als Tropfen sind einfach zu gering. Weiter heißt es: „Und jetzt ist dein Körper gefroren“; sämtliche Möglichkeit sich zu bewegen sind von einem genommen, man ist erstarrt.

Wenn man erstarrt ist, kann man aber nicht mehr am Leben teilhaben. Man nimmt das Drumherum nicht mehr wahr und kann darauf auch nicht reagieren. Das Leben fließt nur so an einem vorbei, die Zeit, die kostbare Zeit verrinnt, ohne dass man etwas dagegen tun kann. Das stelle ich mir ziemlich grausam vor; so als ob man sich selber nur zusehen kann und nicht selber bestimmen kann.

Aber Gott hat uns als selbstbestimmte Wesen geschaffen. Wir können uns immer entscheiden, zwischen Gut und Böse, rechts oder links, den einfachen geraden Weg oder doch den schwierigen, mit Stolperfallen versehenen Weg. Und in jeder Lebenssituation entscheiden wir uns vielleicht anders, je nachdem, wieviel Kraft wir gerade aufbringen können. Auch Jesus traf seine Entscheidungen, er trat bewusst den Weg nach Jerusalem an, um dort für unser Heil zu sterben. Kurz vor seiner Gefangennahme hat er noch einmal eine Entscheidung gesucht. Er stieg auf den Berg und hat dort gebetet, um eine richtige Entscheidung zu treffen.

In Röm 9:11-16 steht: „Denn als die Kinder (Jakob und Esau) noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten - damit der nach freier Auswahl gefasste Vorsatz Gottes bestehen bliebe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden - 12 wurde zu ihr (Rebekka) gesagt: «Der Ältere wird dem Jüngeren dienen»; 13 wie geschrieben steht: «Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.» 14 Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne! 15 Denn er sagt zu Mose: «Ich werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarme, und werde Mitleid haben, mit wem ich Mitleid habe.» 16 So liegt es nun nicht an dem Wollenden, auch nicht an dem Laufenden, sondern an dem sich erbarmenden Gott.“ Wir haben also die Gewissheit, egal für welchen Weg wir uns entscheiden, Gott steht an unserer Seite.

Wenn wir ehrlich sind: die meisten Entscheidungen, die wir treffen müssen, fallen uns leicht. Sie sind ja auch nicht tiefer von Belang. Ob ich jetzt über die Autobahn oder über die Landstraße, hat lediglich zur Folge, ob ich früher oder später ankomme. Welches Gericht ich zu Mittag esse, ist trivial. Aber es gibt diese Entscheidungen, die wegweisend für mein Leben sind. Da muss man sich erst einmal über seine eigene Position klar werden, das Für und Wider überlegen, die Konsequenzen der Entscheidung überdenken. Und da sollte man sich die Zeit nehmen, auch im Gebet die Entscheidung zu reflektieren. Manchmal ergibt sich da ein ganz neuer Aspekt.
In dem Lied allerdings ist die Starre schon eingetreten. Jetzt braucht es einen Anstoß von außen. Jemand, der einem sagt: es ist okay so. Du bist okay, so wie du bist. Nicht du bist verkehrt, sondern die Reaktion der anderen Leute ist falsch. Es benötigt etwas Wärme, um die Eisesstarre zu lösen. Dann kann man auch wieder klar denken und reagieren. Und sich entscheiden.

Es ist okay, nicht okay zu sein. Sind wir ehrlich: wir können es nicht allen recht machen. Wichtig ist: es uns recht zu machen. Denn man selbst muss mit den Konsequenzen einer Entscheidung leben. Vielleicht ist es so, dass man jemanden damit enttäuscht, die Erwartungen vom Gegenüber nicht erfüllt. Und damit aber etwas anderes erreicht. Weitreichende Konsequenzen sind nie leicht, man kann ihnen aber nicht wirklich aus dem Weg gehen; entscheidet man sich nicht selbst, wird einem dies aus der Hand genommen, so ist das Ergebnis meist nicht so, wie man es selbst möchte. Und auch damit muss man dann leben.

Und? Wer hat es erkannt? Es ist das Lied: „okay not to be okay“ von Marshmello mit Demi Lovato, welches aktuell im Radio gespielt wird. Es wurde zum 10. September 2020 veröffentlicht, dem Welttag der Suizidprävention. „Demi Lovato hat sich nie gescheut, über psychische Gesundheit zu sprechen, und sie trägt diese Botschaft in ihre Musik ein. Am 10.September, dem Welttag der Suizidprävention, hat sich Lovato mit Marshmello zusammengetan, um einen Song und ein Video mit dem Titel "OK, nicht in Ordnung zu sein" zu veröffentlichen. … Marshmello sprach in einem Interview mit Apple Music auch über das emotionale Thema der Songs. "Ich denke, es ist einfach ein so wichtiges Thema. Ich denke, viele Menschen, die negative Gefühle und negative Gedanken haben, die sie betreffen, haben Angst, es zur Sprache zu bringen, Angst, darüber zu sprechen", sagte er. "In Wirklichkeit haben sie Angst, weil die Person vielleicht nichts erzählt oder nicht versteht, wenn in Wirklichkeit die Person, zu der Sie es bringen könnten, sich höchstwahrscheinlich so gefühlt hat oder versteht oder kann sich auch darauf beziehen. Ich denke, es ist sehr wichtig, darüber zu sprechen."“ (https://www.elitedaily.com)

Das Bild vom letzten Mal ist eine Aufnahme auf eine kleine, alte Brücke am Mittellandkanal hinter Idensen, welche ich durch Zufall entdeckt habe. Wege von oder zu der Brücke gibt es nicht mehr.

Ich wünsche uns allen, dass wir es nie nötig haben, dass uns jemand aus der Starre befreit. Wenn es aber sein muss, dass es jemanden gibt, der die richtigen Worte findet, damit wir dies aufnehmen können. Und ich wünsche uns, dass wir erkennen, wenn jemand unsere Wärme braucht, damit dieser Mensch wieder in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen.

geschrieben von Kirsten Gutleben

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