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Wer erkennt es – Dezember 2019

In der Weihnachtszeit schwanken – zumindest bei mir – die Gefühle zwischen Vorfreude und Nachdenken, Besinnen auf vergangene Zeiten. Es ist eine Zeit, in der man auch einmal nachdenklich werden kann. Somit habe ich wieder ein Lied ausgesucht, welches das ganze Jahr über im Radio gespielt wird. Hier noch einmal der Text.

SmileyIch habe gehört, dass es ein geheimer Akkord war,
Den David spielte und der Gott gefiel.
Aber du machst dir nicht wirklich viel aus Musik, oder ?

Es geht so: Die Vierte, die Fünfte
Die Moll runter, Dur rauf
Der verwirrte König komponierte: Halleluja

Halleluja, Halleluja
Halleluja, Halleluja

Dein Glaube war stark, doch du brauchtest Beweise
Du sahst sie baden auf dem Dach
Ihre Schönheit und das Mondlicht überfluteten dich
Sie band dich an einen Küchenstuhl
Sie zerbrach deinen Thron, sie schnitt dir das Haar ab
Und entlockte deinen Lippen das Halleluja

Halleluja, Halleluja
Halleluja, Halleluja

Du sagst, ich habe den Namen Gottes missbraucht,
Dabei kenne ich den Namen noch nicht einmal.
Aber wenn es denn so ist, welche Bedeutung hat das für dich?
In jedem Wort flammt eine gewisse Glut,
Es ist egal, welches du gehört hast:
Das heilige oder das gebrochene Halleluja.

Halleluja, Halleluja
Halleluja, Halleluja

Ich gab mein Bestes, doch es war nicht viel.
Ich konnte nichts fühlen, deshalb versuchte ich zu berühren.
Ich sagte die Wahrheit, ich bin nicht gekommen, um dir was vorzumachen.
Und auch wenn alles schief gegangen ist,
Werde ich vor dem Gott des Gesangs stehen,
Mit nichts auf meiner Zunge, als ein Halleluja.

Halleluja, Halleluja
Halleluja, Halleluja
Halleluja

Das ganze Lied ist durchzogen von Anspielungen auf biblische Geschichten: In der ersten Strophe wird auf König David angespielt, der wundervoll Harfe spielen konnte, so dass er an den Königshof gerufen wurde. Als König dichtete er Psalme, in denen das Lob Gottes "Halleluja" häufig vorkam. Auch in der zweiten Strophe geht es um David, hier um seine verbotene Affäre mit seiner Nachbarin Bathseba, die er heimlich beim Baden auf ihrem Hausdach beobachtet hatte. Ihren Ehemann schickte er aus Liebe zu ihr in den Tod. Für seine Tat wurde er von Gott gestraft.

Die Passage darüber, dass die Frau dem Mann die Haare schneidet, spielt auf die Geschichte von Samson an. Die Kraft dieses jüdischen Helden steckte in seinen Haaren. Aus blinder Liebe verriet er dieses Geheimnis, seiner Geliebten, einer feindlichen Spionin, die ihm im Schlaf die Haare schnitt. Damit ist klar, um was es in dem Lied geht: die zerstörerische Kraft der Liebe - die die Menschen trotz ihrer negativen Kraft dazu bringt, göttliche Dinge zu tun.

„Vor Liebe blind sein“, das hat jeder von uns schon einmal erlebt und hat so vielleicht schon den ein oder anderen Unsinn getrieben. Im Nachhinein weiß man, wie gefährlich oder unnütz das gewesen war. In dem Augenblick aber scheint es das einzig richtige zu sein. Man handelt aus dem Bauch heraus, nicht aus dem Verstand.

Und so machen es auch Kinder: sie reagieren direkt aus dem Bauch heraus und überlegen nicht erst, welche Vorzüge welche Reaktion haben wird. In Matthäus 18, 2+3 steht: „Jesus rief ein Kind zu sich und stellte das mitten unter sie und sprach: Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, dass ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ Es ist also nicht verkehrt, auch auf seinen Bauch zu hören und wie ein Kind unbefangen an Dinge heran zu gehen. Verstand- aus; Gefühle – ein.

Der geheimnisvolle Name, um den es in der dritten Strophe geht, sollte der Gottesname JHW sein, der ein ewiges Rätsel bleiben muss und die Unergründlichkeit Gottes ausdrücken soll. Im Text steht, dass der Name missbraucht wurde: „Dabei kenne ich den Namen noch nicht einmal. Aber wenn es denn so ist, welche Bedeutung hat das für dich?“. Im Namen Gottes wurden viele unsagbare Gräueltaten durchgeführt, ich denke da an die Christianisierung in Amerika oder die Kreuzzüge. Aus meiner Sicht kann ich nur sagen: Es hat Bedeutung! Wenn man etwas tut, dann doch mit der Bestätigung, dass man es im eigenen Namen tut. Aber eine Begründung mit etwas so Großem vorzunehmen ist natürlich deutlich leichter. Nimmt man eine Handlung im Namen des Vaters vor, so sollte man sich dessen bewusst sein. Es nicht als Entschuldigung ansehen, sondern als etwas, was dem Ganzen eine Bedeutung gibt. Wie es zum Beispiel beim Abendmahl der Fall ist.

In der letzten Strophe wird Bilanz gezogen. Obwohl der Sänger darin scheitert, reine Liebe zu entwickeln, gelingt es ihn im musikalischen Verarbeiten seines Scheiterns göttliche Musik zu schreiben. Also die zerstörerische Kraft als Mittel zum Zweck? Mit dem Sprichwort „der Zweck heiligt die Mittel“ habe ich auch so meine Schwierigkeiten. Es kann doch nicht sein, dass für einen Zweck, welch heeres Ziel es auch sein mag, alles erlaubt ist? Jetzt kommt doch wieder mein Verstand ins Spiel. Müsste ich nicht abwägen und überlegen, ob das Ziel es wirklich wert ist? Nur weil es mein Ziel ist, ist es nicht auch das Ziel meines Nachbarn, dem ich mit der Durchsetzung ggf. verletze. Dann soll er darunter leiden, was ich für richtig halte? Meiner Meinung nach darf der Zweck nur dann durchgeführt werden, wenn er mit Rücksicht auf Verluste durchgeführt wird, wenn alle einverstanden sind, auch derjenige, der geschädigt wird. Vielleicht wären wir dann heute technisch nicht so weit wie wir sind, aber vielleicht auch glücklicher?

Nun, wer hat es erkannt? Es ist Halleluja, ein Lied des kanadischen Singer-Songwriters Leonard Cohen. Es wurde 1984 auf dem Album Various Positions veröffentlicht. Es existieren zahlreiche Coverversionen anderer Musiker, die in vielen Filmen und Fernsehserien verwendet wurden. Die bekanntesten stammen von Jeff Buckley, Rufus Wainwright und der A-cappella-Formation Pentatonix. Eine 2014 von dem irischen Priester Ray Kelly für eine Hochzeitsfeier umgetextete Version erreichte in kurzer Zeit Millionen Aufrufe bei YouTube. Das Bild vom letzten Mal ist - in Dunkelheit aufgenommen - Rainer Widdels Gartenhaus aus den alten Balken von Kirschnings abgerissenen Kotten.

Ich wünsche uns allen eine wundervolle Weihnachtszeit. Mit Zeiten, in denen wir wie Kinder sind, aber auch mit Zeiten, in denen der Verstand nach vorne kommt. Und: Das wir erkennen, wann wir wonach handeln sollten, nach dem Verstand oder nach dem Bauch.

                                                                                   Geschrieben von Kirsten Gutleben

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