Zur Sache...

Wake UpManchmal helfen Denkanstöße dabei, die eigene Position zu überprüfen. Denkanstöße können wieder Widerspruch, Zuspruch, Fragen oder auch Begeisterung hervorrufen. Wir stellen hier einige Denkanstöße vor: Aus unserer Gemeinde oder auch von anderen Menschen. Es geht "zur Sache".


 

Ist die klassische Familie noch Leitbild? Die evangelische Kirche geht neue Wege: „We are family“

NachwuchsKindererziehung, Alten- und Krankenpflege, seelische Unterstützung, Gastfreundschaft, Wertevermittlung, Liebe und Fürsorge – das alles erbringen Familien. Höchste Zeit, all den Menschen, die so leben, mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Wer gehört alles zur Familie?

Empörung hat ein Wort der Evangelischen Kirche zur Familie ausgelöst. Gerechtigkeit wird darin angemahnt im Blick auf unterschiedliche Lebensformen. Prinzip für die Einschätzung von Beziehung ist nicht allein das formale Institut der Ehe: Jede Form des Zusammenlebens ist kostbar, wenn sie getragen ist von Liebe und Verantwortung, von Fürsorge füreinander, von Treue und Verlässlichkeit. Das Leitbild der Ehe wird auf eine andere Gestaltung von menschlichem Zusammenleben übertragen.
Familien und Partnerschaften sind soziale Gemeinschaften, die in der Gemeinschaft der Gläubigen aufgehen und von ihr getragen werden. Die Reformatoren betonten, dass vor allem die Liebe Gottes in Ehe und Familie eingehen und als Vorbild gelten solle. Frauen und Kinder brauchen Recht und Gerechtigkeit wie Männer, ihnen stehen Chancengleichheit und Fairness innerhalb der Beziehungen zu. Liebe und Gerechtigkeit machen Beziehungen so stabil, dass sie das Auf und Ab der Zuneigung aushalten können.„We are family“ heißt es in einem Song von Sister Sledge. Wir sind Familie über Generationen und Interessen hinweg, Familie Gottes, wie es Jesus meint, der diese Familie über verwandtschaftliche Beziehungen stellt. In Liebe zu anderen lernt man sie und sich selbst besser kennen und verstehen, erlebt wachsende Verbundenheit, die Glückserfahrungen ermöglicht und in schwierigen Lebensphasen Gelassenheit gibt. Was für ein Trost und Segen für Menschen, die von ihrer Ursprungsfamilie verlassen, misshandelt wurden oder einfach allein sind.

Es gibt Familie über alle Grenzen hinweg. In Vielfalt und Wandlungsfähigkeit zeigt sich ihre Stärke. Ältere Menschen können neue Freiheiten entdecken, neue Verantwortung übernehmen. Andere sind plötzlich auf Hilfe angewiesen. Das Erleben von starken und schwachen Zeiten führt zu intensiver Gemeinsamkeit. Damit Familie als Gemeinschaft existieren kann, braucht es gute Familienpolitik. Und jede Menge Ermutigung, damit Menschen sich gerne für Kinder entscheiden, damit sie in der Pflege ihrer Angehörigen bestärkt werden.Familie ist dort, wo Menschen das Kriterium der Liebe und Treue an ihre Beziehung anlegen, wo Eltern Verantwortung für sich, füreinander, für Kinder übernehmen und diese in Liebe und Verlässlichkeit aufwachsen können. Familie ist der Ort, an dem Kinder Verantwortung lernen und sie für Eltern zu übernehmen bereit sind. In der Familie sollen sich Menschen entwickeln dürfen, ihre Grenzen überwinden oder annehmen lernen. Die Evangelische Kirche in Deutschland hält die bewährten Formen von Ehe und Familie hoch.Aber sie weiß Form wesentlich an den Inhalt, an die Werte des Zusammenlebens gebunden. Die gibt es in der klassischen Ehe – hoffentlich! –, aber auch in anderen Formen liebe- und verantwortungsvollen Zusammenlebens. Segen liegt darauf, lehrt die Bibel, wenn Menschen so miteinander leben – von Liebe bestimmt, beseelt von dem Willen, unsere Welt menschenfreundlich und gerecht zu gestalten. We are family – in der Familie und weit darüber hinaus.

Susanne Breit-Keßler, Regionalbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für München und Oberbayern.

 

 
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